Der moderne Tourist will gefüttert werden. Gefüttert, mit immer neuen Angeboten und Möglichkeiten, den eigenen Urlaub zu verbringen. Möglichst aus einem meterhohen Stapel an Katalogen, soll der Favorit der diesjährigen Ferienreise ausgewählt werden. Wozu man sich schlussendlich jedoch entscheidet, erfährt man erst, wenn man am Ort des Geschehens eintrifft. Zu undurchsichtig sind oft die Beschreibungen einzelner Hotel- und Pauschalangebote, aus den unterschiedlichsten Bereichen. Manche Modeausdrücke sind ein unumgängliches Muss im Hoteljargon des 21. Jahrhunderts. Manch andere, eher veraltete Ausdrücke, werden gestrichen oder durch Fremdwörter, meist Anglizismen, ersetzt.
Darum kann man beispielsweise in diesem Jahr nicht mehr seinen Urlaub in einer Pension am Sulmsee, sondern in einem „Styrian Bed and Breakfast“ verbringen. Dass sich darunter vor allem ältere Urlauber nicht viel vorstellen können, liegt auf der Hand.
Der Vorwand dieser Aktionen ist jener, dass internationale Standards auch im heimischen Tourismus unumgänglich sind. Dies mag so stimmen, jedoch wäre es angebracht, diesen Prozess ein wenig sanfter von statten gehen zu lassen und nicht bei jeder Gelegenheit Germanisten die Tränen in die Augen zu treiben. Ein weiteres Beispiel, für die angesprochene Problematik, sind Eventhotels.
Eine Hotellerie, die ihren Gästen also Veranstaltungen zur aktiven Teilnahme anbietet, nennt sich dynamisch und zeitgemäß „Eventhotel“. Dass es sich bei einem Event auch um einen Begrüßungscocktail an der Bar handeln kann, scheint aus dieser Beschreibung nicht klar abzuleiten zu sein. Vielleicht steckt hinter dem Namen auch ein einfaches Seminarhotel, denn auch Seminare werden heutzutage viel zu oft schon von Coaching- oder Trainingevents abgelöst.
Dass das Eventhotel an sich noch die harmlosere Form der modernen Sprache darstellt, zeigt uns der Begriff „Adventure Park“. Mein erster Gedanke dabei ist weder Urlaub noch Ferien, sondern vielmehr Zirkus oder Jahrmarkt. Sinnvoll wäre also, so manch undurchsichtigen, englischen Tourismusbegriff mit einer kurzen deutschen Übersetzung in langenscheidt’scher Wörterbuchmanier zu versehen.
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